Mittwoch, 4. Januar 2012

Frohes neues Jahr

Ahh ich gebs ja zu: ich war faul! Einen Monat lang kein einziger Eintrag. Shame on me,  Asche über mein Haupt… da hatte ich so gut vorgelegt, jede Woche was reingestellt und dann sowas.. Also ich wünsche euch allen ein gesundes, frohes, erfolgreiches, finanzkrisenfreies, politisch ruhiges, nahrungsmittelskandalfreies und was man sonst üblicherweise noch so wünscht neues Jahr! Und vielleicht habt ihrs ja noch nicht gesehen aber ich hab mein Blog umdekoriert, öfter mal was neues. Ich hoffe man kann die Schrift jetzt ein bisschen besser lesen. Also es haben sich viele kleine Anekdoten angehäuft über die letzten Wochen, ich hab mal für euch selektiert und erzähl euch von meinem Paket-Abhol-Erlebnis.

Pakete empfangen in Ghana- Einfach? Denkste!

Die lieben Parentse haben Ende November ein Paket auf die Reise zu mir geschickt. Mit Flugzeug! Damit es schneller bei mir ist….. Das war der Plan. Ja da rechnet aber leider keiner mit der Trandüsigkeit der Ghanaer. Pakete funktionieren hier folgendermaßen: Pakete werden an eine Poststelle gesendet und von dort kann man sich das jeweilige Paket dann abholen, wenn man weiß, dass es da ist. Da man das nie so genau wissen kann, geht unser Hostel-Mensch-für-alles/Caretaker ein Mal die Woche zur Poststelle, fragt ob was angekommen ist und geht wieder. Ich hab ihn seit Ende Nov genervt: „ist was für mich angekommen, ist was für mich angekommen????“ Seine enttäuschende Antwort war stets „nein, sie können nichts finden, es kann durchaus sein, dass dein Paket da ist, sie wissen nur grad nicht wo es ist, hab einfach mehr Geduld.“ Der weiß wohl nicht, wie sehr wir Deutschen Pakete-bekommen verehren, vor allem schnelle Pakete. Nach 4 Wochen beschlich mich das Gefühl, dass unser Caretaker die Sache nicht ernst genug verfolgt. Ich muss die Sache wohl selber in die Hand nehmen. Bewaffnet mit einer Paketnummer, die die DHL rausgerückt hat, bin ich zum Postamt Accra Circle gefahren, hab mich durchgefragt und lande am Informationsschalter. „Ich möchte dieses Paket abholen, das ist die Nummer.“ Die drei Männer am Schalter gucken mich halb gelangweilt-halb amüsiert an. Ich müsste zum Postamt Accra Central (Obacht ich befinde mich in Accra Circle- 12 km von Central entfernt), die würden mir die richtige Nummer geben.  „Aber wo ist mein Paket: hier oder in Central??“ – „Hier.“ Ja nee ist klar: „Ich bin jetzt hier, hab eine Nummer, muss nach Central um eine andere Nummer zu bekommen, um wieder hier her zu kommen und mein Paket abzuholen??“  fasse ich zusammen in der Hoffnung, dass einer der drei Herren mitkriegt wie abstrus und sinnfrei das wäre.. Die drei nicken eifrig. Anscheinend nicht. „Meine Herren, mein Paket ist hier. Ich bin hier. Gibt es denn überhaupt keine Möglichkeit, dass Sie einfach versuchen das Paket mit der hier vorliegenden Nummer zu finden??“ die Augen des ersten leuchten auf: Er könnte tatsächlich etwas veranlassen, wenn er im Austausch meine Nummer haben könnte. Ha, es ist also möglich, ihr kleinen Faulpelze! Nein meine Nummer kann er leider nicht haben, aber mein allerschönstes Lächeln. Reicht ihm fürs erste. Nach nur 10 Minuten Smalltalk, in dem ich den ersten Postbeamten davon überzeugen musste, dass ich seit 2 Jahren verheiratet bin und mein Gatte zudem rasend eifersüchtig ist, hat der zweite eine neue Nummer aus dem Hut gezaubert, mit der ich nun in die Paketausgabestelle weiterziehen kann. Dort muss ich Formulare ausfüllen, während eine Mitarbeiterin mit der neuen Nummer mein Paket sucht. Als sie endlich mit dem großen gelben DHL Quader zurückkehrt, wähne ich mich schon fast am Ziel. Aufmachen. Mit dem Postgeheimnis hat man es hier nicht so. Sie wühlt sich durch den Inhalt meines Pakets. Zum Schluss fragt sie, was ich ihr daraus jetzt geben kann. Ich lache über ihren Scherz. Sie lacht nicht mit und wiederholt die Frage. HÄH? Sie sagt, so sind die Regeln. Ich wäge ab, was jetzt einfacher ist: Einen Aufstand anzetteln, in dem ich sie aufkläre was richtig und falsch ist, über Positionsmissbrauch und über das Ausnutzen der Unwissenheit von Touristen oder nachgeben. Es war ein Tag vor Weihnachten. Die arme Frau muss arbeiten. Sie hat bestimmt noch nie Pfeffernüsse gegessen. Ich öffne eine der Dosen: Please try these, those are biscuits made by my Grandma. Sie war so begeisert, dass sie ihre Kollegin heranwinkt und ihr auch Pfeffernüsse aufdrängt. Also Oma deine Pfeffernüsse finden großen Beifall bei den Postbeamten der Poststelle Accra Circle! :)
Zum Schluss muss man nur noch eine Gebühr bezahlen. Die betrug zuerst 38 Cedis, ich konnte sie dann aber noch auf 18 Cedi (ungefähr 9€) herunterdiskutieren und nach nur ungefähr einer Stunde im Postamt Accra Circle halte ich mein Paket (dass übrigens schon seit 3 Wochen in dieser Poststelle war!!) in den Händen.

Montag, 5. Dezember 2011

Der Bosumtwi Lake und eine unfreiwillige Reise nach Sunyani

It’s Farmer’s Day!! Freitag war Farmer’s Day –nationaler Feiertag, an dem die Regierung den besten Farmer des Jahres kürt. Das heißt für uns: langes Wochenende um lange Touren zu unternehmen! Nachdem die Turtle Lodge im Westen des Landes, in der man Meeresschildkröten beobachten kann, keinen Platz mehr für uns freihatte (ein Zimmer frei? Es ist doch Farmer’s Day!!) haben wir uns fürs Lake Point Guesthouse am Bosumtwi Lake entschieden. Von diesem See haben mir schon viele Einheimer vorgeschwärmt, also prüfen wir dieses Wochenende, ob der See wirklich so magisch ist wie alle sagen! Dort hinzukommen war allerdings gelinde gesagt eine Katastrophe. Der nationale Busverein STC teilte uns freudestrahlend mit, dass heute alle Busse nach Kumasi weg sind, ich frage die fröhliche Schaltermitarbeiterin welche anderen Möglichkeiten uns denn bleiben um heute noch nach Kumasi zu kommen? – Keine, sagt sie schamlos. Pah, wo ein Wille ist, ist auch ein Bus nach Kumasi. Glücklicherweise wissen wir, dass nebenan die Konkurrenz, der private Busanbieter V.I.P., sitzt. Dort angekommen trauen wir unseren Augen nicht: Hier sitzen so an die 1000 Leute im Warteraum und warten auf Tickets und Busse. Man prognostiziert uns, dass wir in guten 5 Stunden ein Ticket in den Händen halten KÖNNTEN. AAH neee. Wir ziehen weiter zur Trotro Station neben an: Obruni Obruni, wo willst du hin?? – Nach Kumasi. – Kleiner oder großer Bus? Na wenn wir die Wahl haben, nehmen wir einen großen Bus! 3 Minuten später waren wir stolze Besitzer von Kumasi-Tickets und saßen in einem klimatisierten großen Bus. 7 Stunden später ist es dunkel, und wir beginnen uns zu wundern: Eigentlich sollten wir Kumasi langsam mal erreichen.. Wir fragen unsere Sitznachbaren: Wann sind wir denn in Kumasi? –Wir sind vor 45 Minuten durch Kumasi gefahren. - WAS? Wo fährt der Bus hin? – Nach Sunyani. – und wann sind wir in Sunyani? – in ungefähr einer Stunde. - Kommen wir dann noch nach Kumasi zurück? – Nein, heute nicht mehr…  Och nööi! Anscheinend hätte man in Kumasi „Busstop“ schreien müssen, natürlich vorausgesetzt man weiß, dass der Bus nicht in Kumasi endet und man weiß, wann man sich in Kumasi befindet, gibt ja keine Ortschilder oder so was. Da fahren wir einfach mal 130 km zu weit… Okay Reiseführer raus und Unterkünfte in Sunyani anrufen. Die dritte Nummer im Reiseführer klingt nicht besonders vielversprechend, ein Vorbesitzer des Reiseführers hatte schon mit Bleistift „Only if you have to“ gekritzelt, da bei den anderen Nummern keiner zu erreichen ist, denke ich mal we have to… Tatsächlich nimmt dort jemand ab und hat Zimmer für uns frei… Kurz und bündig: Das Hotel war recht gruselig und in Sunyani möchte ich nicht mal tot überm Zaun hängen, so wenig ist da los, aber wir waren froh über ein Bett und den nächsten Tag nahmen wir den ersten Bus nach Kumasi zurück um von dort dann endlich in Richtung Bosumtwi See aufzubrechen. Der See liegt komplett umrandet von Gebirge in einem Tal und wurde von dem Volk der Ashanti als heilig erklärt, weshalb er tatsächlich sauber gehalten wird. Als wir endlich ankamen, fanden wir, dass sich die Reise trotz der vielen Irrungen und Wirrungen am Ende wirklich gelohnt hat. Es ist ein wunderschönes Stück Natur und wenn ich jemals ein Buch schreiben sollte, würde ich es glaub ich hier machen! :)

Morgen einen schönen Nikolaus an alle und heute an Wieke: HAPPPYYYY BIRTHDAY!!!!!

Sonntag, 27. November 2011

Krokrobite Beach und Langfinger II

Eine Plantain-Chips Lady
Dieses Wochenende musste Lateshia, meine Hostel- Mitbewohnerin bei ihrer Volenteerstelle aushelfen. Die Nubuke Foundation hat zur Kente Ausstellung eingeladen und da ich mir darunter nichts vorstellen konnte, hab ich sie dort besucht. Nun auch für euch: Kente sind bunt gemusterte, wirklich schwere und sauteure Stoffe, die ursprünglich nur die Könige tragen durften. Heute tragen die Afrikaner sie zu besonderen Anlässen, im wesentlichen zu Hochzeiten und Beerdigungen. Sie werden um die Taille geknotet und dann über die Schulter geschwungen. Auf der Ausstellung habe eine junge deutsche Lehrerin kennengelernt, die mittlerweile seit 5 Jahren in Ghana lebt. Na da war ich ja stutzig! Sie hat ihren ghanaischen Mann in Deutschland kennengelernt, ist mit ihm und ihren beiden Töchtern (so was von goldig, die schönsten löckchen und riesengroße braune Augen!) nach Ghana gezogen und plant nur zurück zu gehen, wenn gesundheitliche oder politische Gründe sie dazu zwingen. Versteht mich nicht falsch, ich genieß meine Zeit hier in vollen Zügen, aber für immer hier leben, nee ich häng irgendwie doch an normalen Duschen, an normalen Jeansläden (by the way: eine Jeanslady neben meinem Arbeitsplatz hat mir eine mir passende Jeans für nächste Woche in Aussicht gestellt, ich bin gespannt!!)  und in Deutschland kann ich stolpern und es besteht eine realistische Aussicht, dass keiners gesehen hat - hier keine Chance, hier ist man als Weißer nie unbeobachtet und ihr wisst wie gern ich stolper!! Und dann monatlich einmal beklaut werden geht einem irgendwann wohl auch auf den Senkel… Ja wie kann sie nur, hat sich schon wieder beklauen lassen… Wir waren am Sonntag am Krokrobite Beach, ein wirklich hübscher Strand 20 km vor Accra. Ich hab mich aufgemacht um einen Strandspaziergang zu machen, Lateshia wollte sich sonnen und auf die Sachen aufpassen. Während ich auf meinem Spaziergang hübsche Fotos gemacht hab, und mich von einem aufdringlichen 50-60 jährigen Österreicher anmachen lassen musste (Beautiful, ich kann dir doch aber alles was du willst kaufen. –BÄH, Grabbel wech, last time I checked I looked like 24, not 54! ) ist Lateshia wohl irgendwie weggedöst, tief weggedöst. Als ich wieder kam, lag mein Handtuch auf nem anderen Fleck, und mein Rucksack war auch nicht mehr an derselben Stelle… Da ich meine Handtasche mit dem „großen“ Geld mitgenommen hatte, haben sie nur meine Tüte mit dem „kleinen“ Geld, so ungefähr 7 € erbeutet. Ein ghanaisches Mädchen, dass neben uns lag meinte: „Ja da war ein Mann der dein Handtuch umplatziert hat.“ – „Hat er auch meinen Rucksack durchsucht?“- nee das hat sie nicht gesehen. Na wer weiß. Irgendwo gibt’s heute also eine von mir gesponserte warme Mahlzeit, eine gute Tat pro Tag.. :)  



Fischerboote am Strand von Krokrobite

Montag, 21. November 2011

Kpando und die beleidigten Uniformierten


Am Freitag habe ich mich aufgemacht um Leni, eine deutsche Volenteerin in einem Krankenhaus, zu besuchen. Es sollte ein entspanntes Wochenende im 200 km entfernten Kpando, einer kleinen Stadt in der Eastern Region nahe dem Volta-See, werden. Kommt ja immer anders als man denkt. Als wir am Freitag so gegen halb 12 uhr abends in Leni’s Unterkunft im Krankenhaus ankamen, war das Gebäude abgesperrt. Und die einzige Dame mit dem Schlüssel war verreist. Wann sie wieder kommt? Hmm ja vielleicht Mittwoch oder auch Donnerstag. Wo wir jetzt schlafen sollen? also im Krankenhaus sind doch genug Betten frei! nee danke. Aber irgendwo mussten wir schlafen und dieses irgendwo fanden wir nach kurzem Hin und Her in einem Ärzte-Aufenthaltsraum; mein Bett waren zwei zusammengeschobene Sessel. Obwohl der Schönheitsschlaf in dieser Nacht definitiv zu kurz kam, zogen wir am Samstag-Morgen hoch motiviert mit 4 australischen Medizinstudenten los um den Liate Wote, den höchsten Berg der Region, hinauf zu wandern. Dass das Hochwandern in 30° Celsius freakin‘ anstrengend gewesen war, brauch ich hier wohl nicht zu erwähnen, dafür war der Ausblick aber einfach der Wahnsinn. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Abstecher zum Togbo Wasserfall gemacht und ich hab nun endlich mein obligatorisches Wasserfall-Foto bekommen! :) Am Abend hatten wir das noch ausstehende Schlüsselproblem auf unkonventionelle Weise gelöst: Leni war geradezu stunt-artig über den Balkon in das Gebäude geklettert und konnte so von innen entriegeln.
Bevor ich am Sonntag wieder nach Accra zurück fahre, wollte ich am Vormittag noch in ein benachbartes Fischerdorf um dort eine Bootstour auf dem Volta-See zu unternehmen. Während wir mit dem ersten Fischer, der uns mitnehmen wollte, in Verhandlung traten, kam ein junger Mann in Camouflage T-shirt und Jeans auf uns zu. Wir müssten mitkommen, immigration office, passport, passport!   -   ? ? ? ? Wir befanden uns in einem Mini-Dorf, nicht mehr als 50 Einwohner. Warum sollten wir ausgerechnet hier kontrolliert werden?-  welcome, welcome, aber mitkommen. Na schön, vielleicht kann er uns ja nachher helfen ein nicht vollkommen überteuertes Boot zu besorgen. In seinem „office“ befragt er uns nach unserem Pass - haben wir nicht, liegen beide im Immigtrationsamt in Accra- zwecks Visums-Verlängerung. Er will uns nicht gehen lassen, will uns aber auch nicht sagen was wir jetzt machen sollen. Die Diskussion geht bestimmt 15 Minuten ohne Ergebnis. Er fragt uns nach unseren Namen und genauen Adressen. Ich werde hier immer misstrauisch, wenn sie nach Adressen fragen. Deshalb stelle ich die Gegenfrage: Wo ist denn sein Ausweiß, der beweist dass er für die Regierung arbeitet? Er ist hochempört! Ob ich seine Kleidung nicht gesehen hätte, sein T-shirt ist sein Ausweiß. Nee reicht mir nicht, ich will jetzt seinen Ausweis sehen. Er verschwindet und kommt mit einem Ausweiß wieder. Schön hätten wir das geklärt. Können wir jetzt die Bootstour machen? Er sagt nichts. Wir verstehen das mal als ja. Wir sind wieder bei unserem Fischer angkommen, da tippt mir erneut jemand auf die Schulter. Jetzt sind es schon 3! Und diese drei sind so richtig richtig uniformiert! Der mit den 5 Orden an der Schulter echauffiert sich als erster: Sie hätten gehört, wir würden nicht glauben, dass sie für die Regierung arbeiten! Oh oh, da bin ich wohl auf Schlipse getreten, auf viele große Schlipse! Wie können wir glauben, sie würden nicht für die Regierung arbeiten, sie haben doch alle Uniformen an!! Stimmt jetzt, wo sie das sagen… Wir sollen wieder mitkommen. Warum, fragen wir, was passiert im Büro, wir haben bereits gesagt, dass wir keine Ausweise dabei haben. Einfach mitkommen. Wir wollen erst wissen, was im Büro passiert. Einfach mitkommen, sagen sie, dann können wir alles in Ruhe besprechen. Aber was passiert denn im Büro????? Mann, dann kommen noch 2 neue Uniformierte hinzu! Wo kommen die alle her, es ist ein winziges Fischerdorf!! Mitkommen! Schön, wir kommen unter einigem Protest mit. Im Büro wird uns erläutert, wie wichtig der Job der Uniformierten ist. Täglich gibt’s tausende illegale Einwanderer hier, die dem Land schaden wollen! Ich sage ihnen, ich kann sie da völlig verstehen, ich würde zwei deutsche junge Mädels auch höchst verdächtig finden, ich meine da spricht die Statistik sicherlich Bände, wie sehr Ghana schon unter deutschen Volenteeren und Touristen gelitten hat. Einer der Herren versteht da nun gar keinen Spaß und antwortet mir, dass es durchaus sein kann, dass ich illegal hier bin, ich hätte ja schließlich keinen Ausweis. Ich frage sie, was denn nun die reguläre Verfahrensweise in einem Fall wie diesem ist. Keiner von ihnen antwortet mir, sie gucken uns einfach nur an. Ich stelle die Frage anders, immer noch keine Antwort. Aha, sie wollen also nicht aussprechen, dass sie Geld erwarten. Die gute alte Korruption… So nicht Freunde! Ich erkläre den Officern, dass ich jetzt einsehe, wie wichtig ihr Job ist und da sie sich so große Sorgen um ihr Land machen, sehe ich nur eine Möglichkeit: Wir fahren ins 10 Minuten entfernte Kpando, dort haben Leni und ich die Kopien unserer Pässe und sie tun ihre heilige Pflicht und kontrollieren sie, lasst uns gleich aufbrechen! Die Enttäuschung, die sich in den Augen des Officers ausbreitete, war gerade zu verräterisch. Nee, das würde dann wohl nicht nötig sein. Gut, könnten die allzeitbereiten Staatsdiener uns dann ein Boot empfehlen?? Einer der Uniformierten sprang auf und meinte er kennt einen, mit dem sollten wir fahren. Die anderen würden nämlich viel zu viel berechnen, die würden die Touristen geradezu abziehen! Was du nicht sagst….

Sonntag, 13. November 2011

For Free, for free!!!

Ein Jeansshop in Osu, der Guteste hatte aber leider nur Herrenjeans
Es hat sich herausgestellt, dass 2 Koffer voll Klamotten nicht genug sind für alle Eventualitäten hier. Mein Pack-Gedankengang war folgender: Ø 30° à kurze Hosen à Tops&Shirts à luftige Blusen. Mein glorreicher Packplan hat aber gänzlich außer Acht gelassen, dass ich in einem viel zu kalt klimatisierten Studio sitze, indem sogar mein Blistex sich weigert aus der Tube zu kommen! Ich brauchte also lange Klamotten, genauer gesagt ich wollte eine Jeans. Wir haben in unserem Hostel nachgefragt, wo man sowas denn am besten bewerkstelligt und wir wurden zum Osu-Market geschickt. Um das ganze abzukürzen, lasst mich an dieser Stelle sagen: Jeans kaufen ist ein Desaster auf jedem Kontinenten, aber hier kommt hinzu, dass man die Jeans auf offener Straße anprobieren muss (gut ich hatte einen Rock an- war ja vorbereitet!), links und rechts schallmeit es „Obruni, have a look, have a look“ und dann sitzen die Jeans an mir wie ein Segel am Mast bei Flaute. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn ich sehe hier überall herumlaufende, sehr gut sitzende Jeans, es muss also einen geheimnisvollen Jeansshop mit lauter gut sitzenden Jeans geben, von dem ich bis jetzt noch nichts weiß. Meine Hostel-Mitbewohnerin Lateshia, ihres Zeichens Afro-Amerikanerin, hatte hingegen ihren Spaß. Sie bekam auf unserem Weg durch den Markt zwei Armbänder und eine Kette geschenkt. Das lief jedes Mal nach demselben Schema ab: Ein Marktschreier lief uns hinterher: „My black sister, my black sister, I want to give you something for free, for free!!!“ Nach zig Beteuerungen, dass es wirklich for free ist, nahm Lateshia das dargebotene Armband an und dann folgt der Knackpunkt, der Marktschreier zieht sie zur Seite und tuschelt ihr zu, dass sie jetzt Verbündete sind und sie mich jetzt überreden muss, dass ich mir auch so ein Armband kaufe für günstige 10 Euro (es ist ein 
S-t-o-f-f-a-r-m-b-a-n-d, dass er eben sogar noch verschenkt hat.) Kopfschüttelnd gehen wir weiter. Was soll ich euch sagen: Das ist uns noch 2 weitere Male passiert! Anscheinend ist ein selbsternannter Unternehmensberater mal durch den gesamten Markt gehirscht und hat den Marktschreiern den neuesten Trend im „Buy one, get one for free“ Sortiment zu erläutert….  So ist Lateshia nun stolze Besitzerin von 2 Stoffarmbändern und einer Holzkette…

Dienstag, 8. November 2011

Unter Palmen...

Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, hab ich diese Woche auch einen freien Montag bekommen, die Ghanaer haben zwar den Reformationstag letzte Woche hartnäckig ignoriert, dafür gabs diese Woche Eid al-Adha (das Opferfest), ein muslimischer Feiertag. Es wird zum Höhepunkt des Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka, gefeiert. In Sachen friedliche Koexistenz mehrerer Religionen nebeneinander kann sich Deutschland und der Rest der Welt noch eine Menge von Ghana abgucken. Hier gibt es keine hitzigen Diskussionen darüber, ob es wirklich Allah oder Gott oder der heilige weiße Panther ist.  Nur wenn man -wie ich- glaubt, dass keine höhere Macht uns leitet, dann muss man eine Menge des Bekehrungs-schwadronierens über sich ergehen lassen. Der schöne Nebeneffekt von vielen Religionen im Land ist also mehr Feiertage für alle und wir haben beschlossen diese zu nutzen um einen Kurzurlaub im verschlafenen Fischerdorf Beyin, genauer im Beyin Beach Resort, zu machen. Aus den vom Reiseführer geschätzten 7 Stunden Fahrt, wurden dann doch über 10 Stunden, Zeit ist hier einfach ein sehr dehnbarer Begriff.  Als wir letzten Endes heil ankamen hat uns der Strand allerdings mehr als entschädigt: Hallo Bahamas! Ein Meer aus Palmen, ein wirklich hübscher Strand und Schildkröten! :)
Da der Samstag im Wesentlichen nur aus Bus-und Trotrofahren bestand, haben wir uns für Sonntag eine Kanutour in das Dorf Nzulezu vorgenommen: Ein Dorf auf einem See komplett auf Stelzen erbaut- Die Bewohner des Dorfes sind vom Land geflohen, weil Bürgerkrieg auf dem Land herrschte und dann haben diese schlauen Füchse gedacht, wenn auf dem Land so viel trouble ist, leben wir halt auf dem Wasser. Das Dorf hat 450 Einwohner und wirklich alles ist auf Stelzen gebaut. Man erreicht das Dorf nur mit einer 60 minütigen Kanutour- es ist aber allemal einen Ausflug dahin wert!